In einem Radsport-Blog kann der Titel natürlich widersprüchlich interpretiert werden. Nein, heute ist die Rede nicht vom Querfeldeinsport.
Es geht um Training, das zwar nicht Radsport ist, aber dennoch für den Radsport einen nennenswerten Trainingseffekt aufweisen soll. Beim Wetter der letzten Wochen war Outdoor-Radsport keine flächendeckende Option. Und leider hat auch nicht jeder Zugang zu einer Hallenradrennbahn in brauchbarer Nähe - der Weg von Zürich nach Genf beträgt per ÖV oder auch per Auto mehr als drei Stunden.
Es müssen also Alternativen her. Grundsätzlich sind die Klassiker bekannt:
- Laufen
- Skilanglauf
- Rolle/Spinning
- Krafttraining
- Schwimmen
- und ähnliches
Irgendwie sind alle anzuraten, aber so richtig ist keines davon für mich ein vollständiger Ersatz für den Outdoor-Radsport.
Laufen
Laufen ist bezüglich reiner Ausdauer natürlich eine gute Ergänzung. Die muskuläre Belastung ist aber ein bisschen anders und insbesondere beim beliebten Dauerlauf ist die Varianz i.a.R. kleiner als beim Radsport. Auf Deutsch: die Schnelligkeit und die Spritzigkeit leiden. Man kann dem mit Intervallen - Sprint, Treppen - entgegenwirken. Aber es bleibt IMO unbefriedigend.
Skilanglauf
An sich ist Langlauf eine super Alternative zum Radtraining. Gerade die faktisch zwingend unterschiedlichen Intensitäten an Anstiegen, Abfahrten und im Flachen ähneln den Anforderungen des Radsports stark. Aber auch hier wird die runde Tritt natürlich nicht trainiert und die Intensität ist ziemlich hoch, was für "tägliches" Training nicht in jedem Fall passt. Zudem hat nicht jeder eine Loipe vor der Haustüre.
Rolle und Spinning
Ganz ehrlich, stundenlange Rollentrainings kann ich nach über 30 Jahren Radsport immer noch nur in Ausnahmefällen durchziehen, wenn eine besondere Motivation vorliegt. Zudem ist's für die meisten Leute, auch für mich, schwierig bis unmöglich, auf der Rolle über eine bestimmte Zeit die gleiche Intensität wie draussen zu fahren, selbst wenn es sich gleich hart anfühlt. Rolle bleibt für mich und auch für viele andere reichlich synthetisch. Es gibt aber Leute, die sich mit Rollentraining hervorragend auf Wettkämpfe auf der Strasse vorbereiten konnten (z. B. Jean Nuttli und Bill Black).
Krafttraining, Schwimmen, weiteres
Hier ist's offensichtlich klar: diese Trainings mögen sehr sinnvoll sein, um bspw. der Einseitigkeit des sonst beinahe ausschliesslichen Radsporttrainings entgegen zu wirken. Aber besonders spezifisch sind sie natürlich nicht.
Meine Lösung
Der Vorschlag ist nach dieser Einleitung natürlich nicht mehr überraschend: Kombi-Training aus Jogging, Skilanglauf oder ähnlichem sowie Rollen-Training.
Das ganze kann folgendermassen aussehen:
Beispielstrainings
- Jogging mit Rolle
1 h Lauftraining und 45 Minuten Rolle
Hügelauf mit leichten Interrvallen an Hügeln, bei denen die Hügel intensiv gelaufen werden und am Ende des Hügels - auf der anschliessenden Fläche oder in den Abstieg hinein - deutlich beschleunigt wird.
Auf der Rolle eine Intensität wählen, die ungefähr 85 % der FTP entspricht; Abwechslung siehe unten. - Skilanglauf mit Rolle
1.5 h Skilanglauf und 45 Minuten Rolle
Ausführung wie bei “Jogging mit Rolle” - Krafttraining mit Rolle
Krafttraining für den ganzen Körper (so lange, wie’s halt dauert) und 1 h Rolle.
Hier würde ich v.a. Wert auf höhere Tretgeschwindigkeiten legen. Die Grundgeschwindigkeit beispielsweise auf 95 U/min legen und alle fünf Minuten einen maximalen Steigerungssprint fahren. Dabei sollten ca. 140 U/min erreicht weden. - U.s.w.
Das zugehörige Rollentraining
Für alle diese Kombitraining empfehle ich, die Trittfrequenzen auf der Rolle zu variieren, falls die Rolle genügend Widerstand zulässt, um auch mit ca. 80 oder 85 Umdrehung pro Minute bei genügend Leistung zu fahren. In dem Fall kann die Rolleneinheit in Blöcke von 5 oder 10 Minuten aufgeteilt werden, in denen abwechslungsweise mit 85 und 115 U/min gefahren wird.
Für alle diese Kombitraining empfehle ich, die Trittfrequenzen auf der Rolle zu variieren, falls die Rolle genügend Widerstand zulässt, um auch mit ca. 80 oder 85 Umdrehung pro Minute bei genügend Leistung zu fahren. In dem Fall kann die Rolleneinheit in Blöcke von 5 oder 10 Minuten aufgeteilt werden, in denen abwechslungsweise mit 85 und 115 U/min gefahren wird.
Das hat folgenden Grund: Das Training in Alternativsportarten trainiert die Muskulatur nicht wie auf dem Rad. Tendenziell werden also die Fähigkeiten, mit viel Kraft und hoher Geschwindigkeit zu treten, nicht genügend entwickelt. Auf der Rolle kann dem entgegen gewirkt werden. Bei der niederen Trittfrequenz liegt der Kraftanteil im Vordergrund, bei der hohen natürlich die Kontraktionsgeschwindigkeit der Muskulatur.

